Angesichts zunehmend trockener Sommer und steigender Wasserpreise suchen immer mehr Gartenbesitzer nach Wegen, um wertvolles Trinkwasser zu sparen. Eine der effektivsten und umweltfreundlichsten Methoden ist das Sammeln von Regenwasser. Ein einfacher, aber gut geplanter Aufbau einer Regentonne kann den Wasserverbrauch im Garten drastisch reduzieren und gleichzeitig den Pflanzen zugutekommen. Doch von der Wahl des richtigen Behälters bis zur winterfesten Wartung gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten, damit das System effizient und langlebig ist.
Die richtige Größe des Tanks für die Regenwasserspeicherung wählen
Die Entscheidung für die richtige Tankgröße ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt. Ein zu kleiner Tank ist schnell voll und das meiste Wasser fließt ungenutzt ab, während ein überdimensionierter Tank unnötig Platz einnimmt und teurer in der Anschaffung ist. Die ideale Größe hängt von drei Hauptfaktoren ab: der Größe der Dachfläche, der durchschnittlichen Niederschlagsmenge in Ihrer Region und dem Wasserbedarf Ihres Gartens.
Den Wasserbedarf des Gartens einschätzen
Zuerst sollten Sie den Bedarf Ihres Gartens ermitteln. Eine Faustregel besagt, dass pro Quadratmeter Gartenfläche während trockener Perioden etwa 15 bis 20 Liter Wasser pro Woche benötigt werden. Für einen 50 Quadratmeter großen Gemüsegarten bedeutet das einen wöchentlichen Bedarf von 750 bis 1000 Litern. Berücksichtigen Sie die Art Ihrer Bepflanzung: Rasen und durstige Gemüsesorten wie Tomaten oder Gurken benötigen mehr Wasser als trockenheitstolerante Stauden oder Sukkulenten.
Dachfläche und Niederschlagsmenge berücksichtigen
Die Menge an Wasser, die Sie sammeln können, lässt sich grob berechnen. Die Formel lautet: Dachfläche in m² × jährlicher Niederschlag in mm × Abflussbeiwert (ca. 0,75 für Ziegeldächer). Ein 100 m² großes Dach kann bei einem Jahresniederschlag von 600 mm theoretisch bis zu 45.000 Liter Wasser liefern. Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Wasser bei einem einzigen starken Regen (20 mm) gesammelt werden kann:
| Dachfläche | Gesammeltes Wasser (bei 20 mm Regen) | Empfohlene Mindestgröße der Tonne |
|---|---|---|
| 25 m² (Gartenhaus) | ca. 375 Liter | 300 – 500 Liter |
| 50 m² (Garage) | ca. 750 Liter | 500 – 800 Liter |
| 100 m² (Einfamilienhaus) | ca. 1.500 Liter | 1.000 Liter oder mehr (ggf. mehrere Tanks) |
Für die meisten Gärten ist ein Volumen von 500 bis 1.000 Litern ein guter Ausgangspunkt. Es ist oft sinnvoller, mehrere kleinere, miteinander verbundene Tanks zu installieren, als einen einzigen riesigen Behälter aufzustellen.
Nachdem die optimale Größe des Behälters bestimmt wurde, muss sichergestellt werden, dass das Wasser auch effizient vom Dach in den Tank gelangt.
Eine Regenrinne installieren, um Wasser effizient zu sammeln
Die beste Regentonne nützt wenig, wenn das Wasser nicht zuverlässig hineingeleitet wird. Das Kernstück der Anlage ist der sogenannte Regensammler oder Regendieb, der in das Fallrohr der Dachrinne integriert wird. Er leitet einen Großteil des Wassers in den Tank um und sorgt gleichzeitig dafür, dass überschüssiges Wasser bei vollem Tank einfach weiter durch das Fallrohr abfließt.
Den passenden Regensammler auswählen
Es gibt verschiedene Arten von Regensammlern, die sich in Funktion und Installationsaufwand unterscheiden. Hier sind die gängigsten Typen:
- Standard-Regensammler: Dies ist die einfachste Variante. Ein Stück des Fallrohrs wird herausgesägt und der Sammler eingesetzt. Er filtert groben Schmutz und verfügt über einen Überlaufstopp.
- Filter-Regensammler: Diese Modelle haben einen feineren, integrierten Filter, der Blätter, Moos und Insekten zuverlässig zurückhält. Sie sind ideal, um die Wasserqualität zu verbessern.
- Regenklappe: Eine manuelle Klappe im Fallrohr, die bei Bedarf geöffnet wird, um Wasser umzuleiten. Diese Methode ist simpel, hat aber keinen automatischen Überlaufstopp und erfordert ständige Kontrolle.
Für eine wartungsarme und effiziente Lösung ist ein Filter-Regensammler mit automatischem Überlaufstopp die beste Wahl.
Die richtige Positionierung und Installation
Die Installation ist in der Regel unkompliziert. Zuerst muss die Regentonne auf einem festen, ebenen Untergrund platziert werden. Ein Sockel aus Betonplatten oder ein spezieller Ständer sind ideal, da der erhöhte Stand den nötigen Druck für den Wasserhahn erzeugt. Der Regensammler wird auf Höhe der Einlassöffnung der Tonne am Fallrohr montiert. Markieren Sie die Schnittstellen, sägen Sie das entsprechende Stück aus dem Fallrohr und setzen Sie den Sammler ein. Anschließend wird der Verbindungsschlauch zwischen Sammler und Tonne befestigt. Achten Sie darauf, dass alle Verbindungen dicht sind.
Ein korrekt installiertes Sammelsystem ist die Grundlage, doch die Qualität des gesammelten Wassers hängt davon ab, wie gut es vor Verunreinigungen geschützt wird.
Den Tank vor Schmutz und Verunreinigungen schützen
Sauberes Wasser ist nicht nur für die Pflanzen besser, sondern verhindert auch, dass der Tank verschlammt und der Auslaufhahn verstopft. Der Schutz vor Laub, Moos, Vogelkot und anderen Verunreinigungen beginnt bereits an der Dachrinne und setzt sich bis in den Tank fort.
Filter als erste Verteidigungslinie
Der wirksamste Schutz sind mechanische Filter an verschiedenen Stellen des Systems. Beginnen Sie mit einem Laubschutzgitter für die Dachrinne. Dieses einfache Gitter verhindert, dass Blätter und Äste die Rinne überhaupt erst verstopfen können. Der bereits erwähnte Filter im Regensammler fängt dann feinere Partikel ab, bevor sie in den Tank gelangen. Einige Regentonnen verfügen zusätzlich über einen Filterkorb, der direkt unter der Einlassöffnung hängt und als letzte Barriere dient.
Die Bedeutung eines geschlossenen Systems
Eine Regentonne sollte immer mit einem passgenauen Deckel verschlossen sein. Dies hat mehrere entscheidende Vorteile:
- Schutz vor Schmutz: Herabfallende Blätter, Staub und Kleintiere können nicht ins Wasser gelangen.
- Verhinderung von Algenwachstum: Licht ist die Hauptursache für Algenblüte. Ein dunkler, abgedeckter Tank hemmt das Wachstum von Algen erheblich.
- Sicherheit: Ein fester Deckel verhindert, dass Kinder oder Tiere versehentlich in den Tank fallen.
Stellen Sie sicher, dass der Deckel fest sitzt und nur für Wartungsarbeiten abgenommen wird. Ein sauberes, geschlossenes System ist auch der beste Schutz gegen eine andere Plage im Garten.
Die Ausbreitung von Mücken um den Speicher herum verhindern
Stehendes Wasser ist eine ideale Brutstätte für Mücken. Ein offener oder schlecht abgedichteter Wassertank kann sich innerhalb weniger Tage in eine Mückenfarm verwandeln. Glücklicherweise lässt sich dieses Problem mit einfachen, aber konsequenten Maßnahmen vollständig vermeiden.
Mechanische Barrieren sind der Schlüssel
Der wirksamste Schutz ist, den Mücken den Zugang zum Wasser zu verwehren. Ein dicht schließender Deckel ist die erste und wichtigste Maßnahme. Überprüfen Sie alle Öffnungen, einschließlich des Zulaufs und eines eventuellen Überlaufs. Diese sollten mit einem feinmaschigen Insektenschutzgitter aus Metall oder Kunststoff abgedeckt werden. So kann Wasser hinein- und hinausfließen, aber Mücken können ihre Eier nicht ablegen.
Was tun, wenn bereits Larven im Wasser sind ?
Sollten Sie doch einmal Mückenlarven in Ihrer Tonne entdecken, gibt es umweltfreundliche Lösungen. Vermeiden Sie chemische Insektizide, da diese auch Ihren Pflanzen schaden könnten. Stattdessen können Sie biologische Mittel einsetzen. Tabletten oder Granulat auf Basis von Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) sind für Mückenlarven tödlich, aber für Menschen, Haustiere, Bienen und Pflanzen völlig unschädlich. Eine weitere einfache Methode ist, einen Löffel Pflanzenöl ins Wasser zu geben. Der Ölfilm auf der Oberfläche verhindert, dass die Larven atmen können.
Wenn das Wasser sauber und frei von unerwünschten Bewohnern ist, kann es endlich seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.
Regenwasser zur Bewässerung des Gartens nutzen
Die Verwendung von gesammeltem Regenwasser bietet erhebliche Vorteile gegenüber Leitungswasser. Es ist nicht nur kostenlos, sondern auch qualitativ oft besser für die Pflanzen geeignet.
Die Vorteile von weichem Regenwasser
Regenwasser ist von Natur aus weich, also kalkarm, und hat einen leicht sauren pH-Wert. Die meisten Gartenpflanzen, insbesondere säureliebende Arten wie Rhododendren, Azaleen und Hortensien, gedeihen damit prächtig. Leitungswasser ist hingegen oft hart und alkalisch, was auf Dauer den Boden auslaugen und die Nährstoffaufnahme der Pflanzen behindern kann. Zudem ist Regenwasser frei von Chlor und anderen Chemikalien, die in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt werden.
| Eigenschaft | Regenwasser | Leitungswasser (typisch) |
|---|---|---|
| Kalkgehalt (Härte) | Sehr gering | Mittel bis hoch |
| pH-Wert | Leicht sauer (ca. 5,6) | Neutral bis alkalisch (7,0 – 8,5) |
| Zusätze | Keine | Chlor, Fluorid etc. |
| Temperatur | Angepasst an Umgebungstemperatur | Oft sehr kalt |
Praktische Entnahmemethoden
Die einfachste Methode ist die Wasserentnahme mit einer Gießkanne über einen an der Tonne montierten Auslaufhahn. Für mehr Komfort kann auch ein Gartenschlauch angeschlossen werden. Der Wasserdruck ist jedoch allein durch die Schwerkraft begrenzt und reicht meist nur für ein sanftes Rieseln aus. Wer mehr Druck benötigt, um beispielsweise einen Rasensprenger zu betreiben, kann eine Tauch- oder Gartenpumpe direkt in die Regentonne stellen. Diese Pumpen sind relativ günstig und erhöhen den Nutzungskomfort erheblich.
Damit das System über viele Jahre hinweg zuverlässig funktioniert, bedarf es einer minimalen, aber regelmäßigen Pflege.
Den Tank pflegen, um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten
Eine Regentonne ist eine langfristige Investition. Mit der richtigen Pflege kann sie jahrzehntelang ihren Dienst tun. Die Wartungsarbeiten sind nicht aufwendig, sollten aber regelmäßig durchgeführt werden, insbesondere vor dem Winter.
Die jährliche Grundreinigung
Einmal im Jahr, am besten im Spätherbst, wenn der Tank fast leer ist, sollte eine Grundreinigung erfolgen. Entleeren Sie das restliche Wasser und entfernen Sie die Sedimentschicht am Boden, die aus feinem Staub und organischem Material besteht. Schrubben Sie die Innenwände mit einer Bürste und klarem Wasser. Verzichten Sie auf aggressive chemische Reinigungsmittel, um die Umwelt und Ihre Pflanzen zu schonen. Eine Lösung aus Essig oder Zitronensäure kann bei hartnäckigen Ablagerungen helfen. Spülen Sie den Tank anschließend gründlich aus.
Die Vorbereitung auf den Winter
Dies ist der wichtigste Wartungsschritt, um Schäden zu vermeiden. Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus und kann selbst den robustesten Kunststofftank zum Platzen bringen. Daher muss die Regentonne vor dem ersten Frost fast vollständig entleert werden. Ein kleiner Rest Wasser am Boden ist unproblematisch. Lassen Sie den Auslaufhahn über den Winter geöffnet, um zu verhindern, dass er einfriert und bricht. Der Regensammler sollte auf Winterbetrieb umgestellt oder der Verbindungsschlauch entfernt werden, damit kein weiteres Wasser in die Tonne fließt.
Die Installation und Pflege einer Regentonne ist ein überschaubares Projekt mit großer Wirkung. Durch die Wahl der richtigen Größe, eine sorgfältige Installation, den Schutz vor Schmutz und die richtige Wartung schaffen Sie ein nachhaltiges System, das nicht nur Geld spart, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum schonenden Umgang mit der Ressource Wasser leistet und Ihren Pflanzen optimale Wachstumsbedingungen bietet.



